Im Rahmen unseres „Citizen at Work-Projekts“ hat Nele einen Tag lang Menschen mit Parkinson beim Tischtennis spielen unterstützt.

Warum gerade Tischtennis? Die fortschreitende Verschlechterung der Symptome der Krankheit Morbus Parkinson kann durch das Spielen von Tischtennis verlangsamt werden. Dank des Programms „Citizen at Work“ können Mitarbeitende sich freiwillig während ihrer Arbeitszeit für wohltätige Zwecke engagieren.

Über ihre Erlebnisse berichtet Nele im Video (sie ist übrigens keine Werkstudentin mehr. Nach ihrem erfolgreichen Masterabschluss ist sie nun bei uns im Prozess- und Projektmanagement tätig.)

Zu Lieblingsmenschen baut man eine ganz eigene Beziehung auf. Man versteht sich besser als mit den meisten, man spricht dieselbe Sprache, man schafft mehr und dabei fühlt sich die Arbeit einfacher an. Man wächst zusammen.

Kerstin ist schon 22 Jahre bei der VitalAire. Sie ist knapp 62 Jahre alt und stellt sich seit mehr als zwei Dekaden den täglichen IT-Herausforderungen vieler Anwendungsprogramme. Ihr Bereich ist das Business Application Management, oder kurz, in ihren Worten, BAM (!).

Kerstin ist eine echte Teamplayerin, weil für sie die Zusammenarbeit mit ihren Kolleg*innen nicht nur die Projekte erfolgreicher macht, sondern auch Spaß bringt. Und mit einem besonderen Kollegen macht es ganz besonders viel Spaß:

„Mein Lieblingsmensch ist Thomas, der auch schon seit mehr als 5 Jahren bei der VitalAire beschäftigt ist. Unsere Kollegin Maren hat damals schon nach 3 Wochen zu uns gesagt, wir seien wie ein altes Ehepaar. Und das sind wir, glaube ich, auch heute noch. Danke dir, Thomas.“

Es gibt den neumodischen Ausdruck der „work wife“, der die engsten Partnerschaften auf der Arbeit augenzwinkernd beschreibt. Aber wir als Carefluencer mögen den Begriff Lieblingsmensch lieber, weil er die Kolleg*innen mehr wertschätzt. Wir danken dem alten Ehepaar Kerstin und Thomas und überlassen Kerstin das letzte Wort, weil wir uns keine schöneren Weihnachtsgrüße hätten einfallen lassen können:

„Uns allen in der VitalAire wünsche ich eine wunderschöne Weihnachtszeit mit Familie und Freunden. Und der Welt wünsche ich mehr Zusammenhalt, gegen Klimawandel und für Frieden.“

Was genau macht Lieblingsmenschen aus? Sie sind da, wenn man sie braucht. Sie machen die Arbeit besonders, die schweren Dinge leicht und die leichten Dinge schön. Aber was genau Kolleg*innen zu Lieblingsmenschen macht oder wann sie welche werden, darauf hat jede*r seine/ihre ganz eigene Antwort.

Ole ist Projektleiter im Bereich Infusion am Standort Norderstedt. Er ist offen und freundlich, ein entspanntes Lächeln ist seine Standartreaktion auf alle Lebenslagen. Ole musste nicht lange überlegen, wer für ihn persönlich den Titel Lieblingsmensch verdient hat.

„Mein Lieblingsmensch ist Nele, eine Werkstudentin im KKM-Bereich im Infusions-Bereich. Was ich an ihr schätze, ist natürlich, dass sie super kompetent ist in allen Bereichen, in denen sie arbeitet. Aber vor allem, dass sie super nahbar ist. Sie hat mich immer in ihrem Auto mitgenommen, wenn wir in die Wedemark oder nach Minden gefahren sind und durch diese Autofahrten ist sie mein Lieblingsmensch geworden.“

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zu besonderen Erlebnissen werden. Die Roadtrips und Kaffeepausen und Running Gags im Alltag. Wir halten fest: Mit Nele und Ole in die Wedemark heizen steht ab jetzt auf der Wunschliste. In diesem Sinne: Danke Ole, danke Nele, und eine schöne Adventszeit. 

Eine Standortbestimmung / Dritte Fragen:

Mehrere Selfies mit Sebastian im Rollstuhl und einer Freundin. Schneeflockenanimation. Auf den Bildern der Satz: MAY FRAYND / I WÜNSCH DA VUY SPASS. Ein Video aus dem Rollstuhl, draußen, mit Blick auf das Gesundheitszentrum in Landshut. Die blau-weiß-karierte Landesflagge Bayerns über dem WG-Bett.

Sebastian lebt in Landshut. Zusammen mit weiteren Bewohner*innen, in einer Pflege-WG, in der man nicht aneinander vorbei, sondern miteinander lebt. Man isst zusammen, macht Weihnachtsfeiern, Ausflüge. Kerstin beschreibt ihren Arbeitsplatz mit einem Wort: familiär.

In unserem dritten Interview-Teil mit Sebastian wollen wir mehr aus seinem Alltag wissen, mehr aus Landshut, mehr aus der WG.

Wo lebst du? Kerstin schreibt, dass Sebastian diese eine Frage mit einem Sprachaufsatz selbst langsam beantworten kann: „In Landshut.“

Und mit wem lebst du zusammen? „Mit ca. 20 recht hübschen Damen und 7 Mitbewohnern.“

Kerstin hat uns erzählt, dass Sebastian zu allen freundlich und charmant ist. Manchmal gibt er höflich einen Handkuss. Auf die Frage, was er am liebsten mit seiner Pflegekraft zusammen macht, antwortet er: „Umarmen“.

Mittlerweile kann er auch schon alleine im Rollstuhl kleine Wege machen. Die kleinen Stadterkundungen sind sein Highlight der Woche. Und machen Mut für die Zukunft. Denn seit dem Unfall, der Sebastians Leben verändert und ihn nach Landshut gebracht hat, ist unglaublich viel passiert. Kerstin sagt uns, dass man am Anfang dachte, Sebastian würde im Wachkoma liegen. Er konnte nur ein Auge bewegen. Und hat sich Muskel für Muskel, Gedanke für Gedanke zurück gearbeitet. Und darauf ist er zurecht stolz.

Und wie sehen denn deine Fortschritte mittlerweile aus? wollen wir wissen. „Ich sehe endlich wie ein Mann aus, typisch bayerisches Stiergnagg plus Bierbauch.“ Sebastian ist auch ziemlich witzig, stellen wir zum Ende fest.

Nach einigen Wochen, vielen Emails, Calls und Gesprächen, danken wir Kerstin und vor allem Sebastian, dass sie uns an gelebter Pflege haben teilhaben lassen. Wir haben von beiden gelernt, dass Hoffnung und Kampfgeist da wachsen, wo Menschen zusammenhalten und sich gegenseitig ein sicheres und schönes Umfeld schaffen. Wie in der Pflege-WG in Landshut. Oder, wie Sebastian unter einen seiner Posts bei Instagram schreibt: May Dahoam.

Lieblingsmenschen prägen sich ein. Sie können den eigenen Horizont erweitern und den Blick öffnen für die Dinge und Ideen, die man selbst nicht im Blick hat. Gerade bei der VitalAire versammeln wir viele Kolleg*innen, die mit ihrem eigenen Kopf für neue Impulse und Inspiration sorgen.

Annkathrin arbeitet in der Strategie- und Transformations-Abteilung, eigentlich in Norderstedt, aber heutzutage wieder in der baden-württembergischen Heimat im Kreise der Familie. Sie sagt, durch ihre Zeit in Norderstedt hat sie die zusätzlichen Sonnenstunden im Süden Deutschlands umso mehr schätzen gelernt. Die netteste Art, sich über das Wetter im Norden zu beschweren 😉

Mit ihrer Expertise als Ärztin und einem großen Enthusiasmus für die patientenzentrierte Versorgung will Annkathrin die VitalAire mitgestalten. Sie träumt von einer Zukunft, in der sich alles noch mehr um eine personalisierte Versorgung dreht und in der Patient*innen im Mittelpunkt stehen. Klar, dass man bei solchen Vorhaben Gleichgesinnte und Mitstreiter*innen braucht, die ähnlich enthusiastisch sind:

„Mein Lieblingsmensch ist Sonja aus der Personalabteilung. Sie hat mich bei der Planung von Trainings unterstützt. Sonja beschäftigt sich mit den Themen Lernen und Entwickeln und prägt damit bei VitalAire eine richtige Kultur des Lernens. Ich schätze ihre positive und herzliche Art, aber vor allem, dass sie mir neue Denkanstöße liefert, wenn ich selbst mal in einer Sackgasse stecke.“

Lieblingsmenschen sind einander immer Visionär*innen und hier haben sich anscheinend zwei gefunden. Wir danken Annkathrin und Sonja und wünschen euch, dass eure Köpfe weiter so rauchen wie die Kerzen auf dem Adventskranz. Der kommt übrigens auch aus Hamburg, also fast Norderstedt.  

Das Leben in Bildern/ Zweite Fragen.

Selfie von Sebastian mit Sektglas in der Hand. Sebastian beim Training an der Stange. Man sieht die Intubation des Schlauchs.  Sebastian im Rollstuhl in einem Supermarkt-Gang, grinsend.

Alles auf Instagram, alles von Sebastian selbst.

Ansichten eines ganz normalen jungen Mannes, der stark ist. Und traurig. Und uns teilhaben lässt an Pflege aus seiner Sicht.

Bastino_31.
88 Beiträge und 242 Follower (bisher). Und dennoch eine ganz eigene Welt. Dass sich jemand traut, gerade auf Instagram, gerade neben Bikini-Bildern, Urlaubs-Glamour-Shots und Hochglanz-Filtern sich selbst zu zeigen, eingeschränkt, authentisch, ist bewegend.

Was schaust du dir auf Instagram an, was interessiert dich? „Landwirtschaft.“

Was teilst du mit der Welt? „Freudige Erlebnisse und Trainingsfortschritte.“

Kerstin schreibt uns, dass er sich darüber freut, das sagen zu können. Und tatsächlich zeigen viele seiner Inhalte, wie hart und ausdauernd er trainiert.

Natürlich interessiert uns, wie Sebastian mit der Welt interagiert. Was er zu sagen hat, über sich und seine Situation ist ja der Kern unseres Vorhabens. Aber auf die Fragen danach, was er durch seinen öffentlichen Auftritt ausdrücken will oder was seine Follower von ihm wissen wollen, wenn sie ihm Nachrichten schreiben, will er nicht antworten.

An solchen Stellen lässt uns Kerstin teilhaben an Sebastians Gefühlswelt. Er versteckt nichts und zeigt offen, was dieses Gespräch mit ihm macht. Sie sagt uns: „Er hat oft zu einer Antwort angesetzt, dann aber wieder alles gelöscht. Die Situation bedrückt ihn sehr.“

Am Ende unseres zweiten Interview-Abschnitts haben wir Sebastian gefragt, ob er anderen Menschen mit Einschränkungen empfehlen würde, ebenfalls bei Instagram Fotos aus dem Privatleben zu teilen. Er verneint. „Weil man“, nimmt er wahr, „dafür psychisch stark sein muss und aushalten können muss, dass sich das eigene Leben einfach geändert hat.“

Annäherung/ Erste Fragen

Für diesen Text haben wir mit Sebastian und Kerstin über mehrere Wochen ein Gespräch geführt. Per E-Mail, in kleinen Schritten. Und wir sind seinem Instagram-Kanal gefolgt.

Sebastian ist 31 Jahre alt und lebt seit einem schweren Verkehrsunfall vor 11 Jahren in einer Pflege-WG in Landshut. Kerstin arbeitet für die VitalAire Tochter IC Home 24 als Pflegedienstleitung in Landshut.

Nach einem Schädelhirntrauma ist Sebastian körperlich stark eingeschränkt und kommuniziert per Tablet. Unsere Fragen liest ihm Kerstin vor und immer, wenn er eine Antwort fertig getippt hat, schaut er Kerstin an, damit sie liest.

Zuerst haben wir uns selbst vorgestellt und wollten ihn ein bisschen kennenlernen.

Stell dich doch mal vor, haben wir geschrieben. Kerstin sagt, mit einem Lachen hätte er getippt: „Sebastian 31“.

Und was interessiert dich so? „Frauen und Fitness.“

Worüber hast du zuletzt gelacht? „Über das Gespräch gerade. Über Frauen und Bier.“

Zum Ende unseres ersten Fragenpakets wollten wir von Sebastian wissen, was er sich für die Zukunft wünscht. Er hat nur nachdenklich ein Wort geschrieben: „Gehen“.

Zwischenbilanz

Um die Beziehung zwischen Sebastian und Kerstin und ihr Leben und Arbeiten in der Pflege-WG in Landshut zu verstehen, sprechen wir auch mit Kerstin länger. Sie und Sebastian haben eine sehr offene, ehrliche Verbindung. Sie sprechen darüber, wie es ihm geht, was er sich wünscht, wohin die Reise gehen kann. Und natürlich sprechen die beiden auch darüber, wie es sich anfühlt, interviewt zu werden.

Für uns das Fingerspitzengefühl eine Herausforderung. Wir haben gemerkt, manche Fragen sind schwer, manche Themen belastend. Der Ausschlag reicht von Lachen zu Abbrechen. Für die nächsten Fragen wollen wir mehr zu Sebastians Hobby erfahren, sein Leben in der Pflege-WG und seine Fortschritte auf seinem eigenen Instagram-Kanal zu zeigen.

Antjes Job findet immer da statt, wo sich die Linien und Interessen kreuzen. Sie überblickt die Wechselwirkungen in unserem Gesundheitssystem und dann tut sie das, was sie am besten kann: Sie formuliert Argumente, sie erklärt, sie verhandelt, sie überzeugt. Antje sitzt nicht zwischen den Stühlen – eigentlich verbindet sie die Stühle durch einen perfekten Spagat.

Sie leitet den deutschlandweiten Vertrieb des komplexen Therapie-Konzeptes zur Behandlung der PAH. Expertise, Neugier und der unbedingte Wille, zu helfen, treiben sie an, denn „PAH ist eine sehr, sehr, sehr, sehr seltene Erkrankung. Und vieles daran ist noch unerforscht“, sagt sie.

„Aber wir schreiben hier echte Erfolgsgeschichten. Wir haben den jungen Vater, der gerade eben erst das erste Kind bekommen hat. Er bekommt die furchtbare Diagnose einer todbringenden Erkrankung. Diese Erkrankung ist nicht heilbar und er kann jetzt diese und jene Medikamente nehmen.

Und weil er auch Krankenpfleger ist, weiß er schon ganz genau, was das bedeutet. Und dann ruft der Chefarzt an und würde ihm gerne die Pumpe implantieren. Quasi als einzige, letzte Chance. Und alles muss sehr schnell gehen, weil er sonst noch nicht mal den ersten Geburtstag seines Kindes erlebt. Und das machen wir dann möglich.“

Antje ist eine hochkonzentrierte Frau mit hoher Auffassungsgabe. Ihr ganzes Berufsleben hat sie der Medizin in unterschiedlichen Formen gewidmet. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester, begann Antje ein Medizinstudium, um Ärztin zu werden. Vor dem Physikum entschied sie sich anders und nahm eine Stelle im Vertrieb bei VitalAire an. Und ihre 20-jährige Karriere im Unternehmen begann: „Meine lieben ärztlichen Kollegen und Freunde haben zu mir gesagt: Du bist von der Wissenschaft und vom Helfen zum Kommerz gewechselt.“

Aber genau diese Entscheidung hat sich Antje nicht leicht gemacht:

„Ich hab damals noch studiert, also keine Kohle. Auf der Pro-Seite für den Job stand vor allem auch die monetäre Freiheit. Es war ein Versuch. Und es war ein schwieriges erstes Jahr, in dem ich oftmals ans Aufgeben gedacht habe. Bevor ich dann irgendwann merkte, dass ich mich in den Betrieb einbringen kann. Und dass ich gehört werde. Das fand ich toll, da bin ich geblieben.“

Mittlerweile vertreibt Antje als Teil eines kleinen Teams ausgesuchter Fachleute das Therapie-Konzept für PAH. Das Konzept besteht aus einem eigenen Wirkstoff und einer Art Pumpe, die den Patient*innen in manchen Fällen implantiert wird und dann das Medikament kontinuierlich abgibt.

„Es ist ein intensiv-medizinisches Setting, was wir als Gesamtkonzept anbieten. Das heißt, es ist nicht so ein Quick-and-Dirty-Vertrieb. Ich geh da nicht mal kurz zu den Ärzt*innen, biete ne Pille an und bin dann wieder weg. Wir beraten und schulen die Ärzt*innen über mehrere Jahre, damit sie ihre Patient*innen bestmöglich therapieren können. Wir sind bereit, sofort und gleich und auch am Wochenende und auch manchmal zu unchristlichen Zeiten, manchmal auch über unsere Kräfte hinaus, zu agieren.“

„Im Prinzip ist PAH ein Umbau der kleinsten Gefäße in der Lunge, die sich durch unterschiedlichste Prozesse mannigfaltig verschließen können. Im Median stirbst du nach zweieinhalb Jahren durch eine PAH, die nicht behandelt wird. Die Ursachen sind vielfältig. Es gibt genetische Ursachen, Krankheiten, die mit einer PAH assoziiert sind, oder auch Medikamente oder unspezifische Substanzen, die eine PAH auslösen können. Und dann gibt es den ganz großen Teil, bei dem wir es nicht wissen.“

In Antjes Job, aber auch in ihrer Person verbinden sich die verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens. Geld und Empathie, Preise und Behandlung, Markt und Medizin. Das Schlimmste für sie ist, mit Apotheker*innen zu verhandeln, aber auf der anderen Seite ist das ein notwendiger Bestandteil ihrer Arbeit, die Menschen helfen soll. Und bei dem Stichwort Helfen kommen wir auf den Anfang zurück. Nachdem die Wissenschaft die Fakten geliefert und der Vertrieb den Preis geregelt hat, wird jetzt eine echte Lebensgeschichte umgeschrieben:

„Wir haben die Therapie möglich gemacht und es hat gewirkt. Mittlerweile hat der junge Vater den vierten Geburtstag seines Kindes miterleben können. Er kann zumindest 20 Stunden pro Woche wieder arbeiten und mit seinem Kind schwimmen gehen. Er ist weiterhin schwer krank, er ist eingeschränkt. Aber er sagt jeden Tag, dass diese Therapie ihm ein zweites Leben geschenkt hat.“

Antje spricht noch viel über die besonderen Umstände und Mechanismen ihrer Arbeit und das würde für 3 Stories unseres Blogs reichen. Das Schlusswort aber hat sie selbst, im Spagat zwischen den Stühlen, perfekt ausbalanciert:

„Rede ich mit Apotheker*innen auf der vertrieblichen Seite, ist nur der Preis heiß. Rede ich aber mit Ärzt*innen, zählen Qualität und das Kümmern und Supporten. Schlussendlich bringen wir den Patient*innen ein Stück weit Lebensqualität zurück. Das ist, was mir unglaublich viel bedeutet. Das ist meine Herzensangelegenheit.“

Wir sprechen mit Jeannine viel über die Zukunft der Pflege, die politische Dimension der Betreuung von Menschen und das Berufsbild der Pflegefachkraft, für das sie sich einsetzt. Sie kommt ins Grübeln, scheut aber nicht vor deutlichen Worten zurück – ganz Berliner Schnauze eben:

„Also ich habe Mitarbeitende, die seit 2013 bei mir im Unternehmen sind, also seit 10 Jahren. Das ist eigentlich ein sehr stabiles Team, aber jetzt hab ich nach gut fünf Jahren gleich drei Mitarbeitende kurz hintereinander verloren, die ich jetzt wieder kompensieren muss. Es ist sehr schwer, gutes Personal zu finden. Die Zeiten sind nicht einfach. Und das Gesundheitsministerium hier um die Ecke sollte auch anders besetzt sein. Zur Not mach‘ ich den Job eben selbst.“

Wir kennen alle die Herausforderungen an den Pflegebereich in Deutschland, aber Jeannine ist durch das Personalmanagement natürlich täglich mit dem schlechten Bild aus Kliniken und anderen Einrichtungen konfrontiert:

„Es heißt: Wenn du in der Pflege bist, haste kein Privatleben, du musst jedes Wochenende arbeiten. Diese individuellen Modelle werden noch gar nicht gelebt. Aber wir hier unterstützen uns gegenseitig. Nicht nur auf Arbeit, auch im privaten Bereich. Jeder hat mal Probleme mit den Kindern oder wenn das Auto kaputt geht. Wir versuchen wirklich, miteinander bestehende Probleme anzupacken und nach Lösungen zu suchen.“

Auf die Frage, ob sich der Pflegeberuf für junge Menschen lohne, muss sie lächeln

„Ich würde das schon empfehlen, weil mit Pflege und einem funktionierendem Gesundheitssystem steht und fällt alles. Aber gegen den Beruf des Influencers zum Beispiel kommt man nicht an, dat kann ich euch sagen. Außerdem sollte man für den Pflegeberuf auch einige Dinge mitbringen: Natürlich erstmal ne Ausbildung als Pflegefachkraft. Man muss offen für Neues sein. Halbwegs flexibel. Und natürlich teamfähig.“

 

 

Immer wieder klingelt das Telefon, kommen Mitarbeitende rein, sprechen mit Jeannine oder machen einen Witz so nebenbei. Der Tag geht weiter, die Intensivpflege-WG braucht ihre Leiterin und wir verabschieden uns. Beim Rausgehen fragen wir sie noch, wie oft denn hier so gelacht wird am Tag. Jeannine muss grinsen:

„Also ich glaube, wir lachen fast nur.“

VitalAire lebt von den Mitarbeitenden, die täglich ihr Bestes geben, um zu helfen, zu pflegen, Menschen zu versorgen und Hoffnung zu verbreiten.

So ein Mensch ist auch Jeannine, die als Pflegedienstleiterin eine Intensivpflege-WG der VitalAire Tochter IC Home 24 in Berlin-Mitte betreut. Aus ihrem Fenster kann man den Fernsehturm sehen und wenn sie spricht, hört man deutlich die Hauptstadt heraus. Jeannine ist tough, aber herzlich.

Als gelernte Krankenschwester hat sie die Leitungsposition der Intensivpflege-WG 2015 übernommen. Ihr ganzes Berufsleben schon hilft sie Menschen und setzt sich für Gesundheit und Wohlbefinden ein:

„Ich bin schon langjährig in der Pflege tätig, also auch als Krankenschwester auf den Intensivstationen, wo es viel unpersönlicher zugeht. Da ist man dann ne Nummer als Mitarbeitende. Und da hab ich dann gesagt, ich möchte mein Konzept von Intensivpflege für Menschen voranbringen mit Menschen, die genauso ticken und das auch leben wollen.“

Die Außerklinische Intensivpflege in den WGs von IC Home 24 ist ein Erfolgsmodell der VitalAire. Hier leben Bewohner*innen mit unterschiedlichen Pflege-Bedürfnissen zusammen und entwickeln ein enges soziales Miteinander, aus dem alle gemeinsam Kraft schöpfen können. Jeannine ist stolz auf ihre Pflege-WG und lädt uns sofort ein, mal vorbeizuschauen:

„Also in Berlin, wenn du uns besuchen würdest, würdest du in eine kleine, familiäre Atmosphäre reinplatzen. Wir haben eine WG für 8 Bewohner*innen, aktuell sind davon 6 Plätze belegt. Jede*r Bewohner*in, der/die bei uns lebt, hat ein eigenes Zimmer, individuell eingerichtet, mit Postern, Bildern, Fernseher, Bettwäsche, das kann man alles individuell mitbringen. Also, dat musste dir vorstellen wie ne Familie. Du siehst jeden Tag die gleichen Leute. Ich habe einen, der lebt seit 2017 bei uns ohne Angehörige, der sieht uns als seine Familie.“

Im Gespräch kommt sie immer wieder auf den Mittelpunkt ihrer Arbeit, ihr Team, zurück. Obwohl sie täglich tausend Dinge gleichzeitig tut, definiert sie ihre Tätigkeit vor allem so:

„Mein Job ist, Mitarbeitende zu führen, zu akquirieren und zu gewährleisten, dass sie ihren Job machen können. Und einen Arbeitsplatz sicher zu stellen, von dem aus man nicht wechseln will. Ich bin bestrebt, die Mitarbeitenden so zu motivieren, dass sie langwierig im Unternehmen bleiben und bei mir tätig sind.“

Einen normalen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht, verrät sie uns, aber in der gemeinsamen Küche starten alle Tage zumindest gleich mit dem ersten Kaffee und der Frage, ob es allen gut geht und ob jemand Hilfe braucht. Danach gibt es ganz verschiedene Dinge zu organisieren, die Jeannine lässig aufzählt:

„Es gibt Untersuchungen, Kommunikation mit ärztlichem Fachpersonal, Vorstellungsgespräche oder ich hab‘ Dinge im Bereich „Qualitätsmanagement“ zu erledigen. Ich bin auch bei den Übergaben dabei, mache Dienstplangestaltung, Absprachen mit Kolleg*innen und vor allem motiviere ich Mitarbeitende. Ich bin ja eine Führungskraft, die gerne auf Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingeht. Und dat kommt hier sehr gut an.“